20. Juni 2025

Zukunft gestalten: Erfolgreicher 2. RVV-Schweinefachtag in Twistringen

Der zweite Schweinefachtag der Raiffeisen Viehverbund eG (RVV) war ein voller Erfolg und bot den zahlreichen Teilnehmenden aus aus der tierhaltenden Praxis und der Branche eine Plattform für Information, Austausch und Diskussion. Im Fokus standen aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Schweinehaltung und -vermarktung.

Der zweite Schweinefachtag der Raiffeisen Viehverbund eG (RVV) war ein voller Erfolg und bot den zahlreichen Teilnehmenden aus der tierhaltenden Praxis und der Branche eine Plattform für Information, Austausch und Diskussion. Im Fokus standen aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Schweinehaltung und -vermarktung.

Den Auftakt machte RVV-Geschäftsführerin Michaela Höppel, die zur aktuellen Situation in der Schweine- und Ferkelvermarktung berichtete. Sie machte deutlich, dass der Strukturwandel entlang der gesamten Wertschöpfungskette Schwein spürbar sei. Besonders die Verfügbarkeit von Ferkeln werde sich in den kommenden Jahren drastisch verändern – nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden und Dänemark seien bis 2030 erhebliche Bestandsrückgänge zu erwarten. Höppel appellierte an Mäster und Erzeuger, frühzeitig und offen mit allen Beteiligten zu kommunizieren, um Vermarktungsbeziehungen langfristig und nachhaltig zu gestalten.

Zudem kritisierte sie, dass die Branche im Vergleich zu anderen Tiergattungen und Ländern in Sachen Informationsverarbeitung und Weitergabe deutlich hinterherhinke und den Arbeitsalltag in der Branche erheblich zum Nachteil beschäftige. „Die Landwirte wissen häufig – und wenn überhaupt – erst ein halbes Jahr später, wie ihr Betrieb in der Auswertung abgeschnitten hat.“ Es fehle an Digitalisierung und funktionierenden Schnittstellen, um Daten zeitnah und praxisnah nutzbar zu machen.

Im Anschluss daran informierte Sophia Krone, Abteilungsleiterin Beratung bei der RVV Beratung, über aktuelle Themen aus dem QS- und ITW-System sowie über politische Entwicklungen. Besonders im Fokus standen das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz und das Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung. Die RVV bringe sich aktiv über die Arbeitsgruppe Schwein im Deutschen Raiffeisenverband in die politischen Prozesse ein. Krone betonte: „Wir erwarten von der neuen Bundesregierung eine konsequente Überarbeitung des Gesetzes hinsichtlich seiner Praktikabilität und Umsetzungsstrukturen.“ Etablierte Systeme wie QS, ITW und Haltungsform.de sollten stärker genutzt und bundesweit einheitlich ausgelegt werden.

Einer von zwei Programmhöhepunkten war der Vortrag von Thomas May, Leiter Krisenmanagement bei der QS Qualität und Sicherheit GmbH, und Anna Katharina Wittwer, Teamleiterin Auditoren. Sie beleuchteten das Thema Krisenmanagement im QS-System, insbesondere im Zusammenhang mit Stalleinbrüchen. Die Referenten zeigten auf, wie sich die Methoden sogenannter Tierschützer verändert haben: „Heute wird nicht mehr klassisch eingebrochen – vielmehr werden gezielt Beziehungen zu Tierhaltern aufgebaut oder Personen lassen sich als Mitarbeiter einstellen, um gezielt Schaden anzurichten.“

Anhand von Bild- und Videomaterial solcher Tierrechtsorganisationen wurde gemeinsam mit dem Publikum analysiert, wie wichtig der korrekte Umgang mit kranken oder verletzten Tieren ist. Die wichtigsten Maßnahmen: Frühzeitige Separation, korrekte Versorgung, engmaschige Kontrolle und – wenn notwendig – vor allem rechtzeitige und fachgerechte Nottötung bis zu fachgerechten rechtzeitigen Entfernung der Tierkörpers. Ein prägnantes Zitat eines Auditoren- Kollegen brachte es auf den Punkt: „Die Krankenbucht ist ein Ort zur Erholung – kein Hospiz.“

Auf die Frage, wie ich als Tierhalter proaktiv handeln konnte, wurde betont: Auch wenn der Arbeitsalltag abseits des Stalls seine Kapazität beansprucht, sollten zwei Stalldurchgänge am Tag durchgeführt werden, um den Gesundheitszustand der Tiere kontinuierlich zu überwachen.

Den Abschluss des Fachtags gestaltete Twan van Dijk, Geschäftsführer Beratung und Verkauf bei AgriSyst und Manager Sales Pigs bei AgroVision, mit seinem Vortrag zum Thema „Smart Farming in der Schweinehaltung“. Ausgehend von den Fragen „Wieso hinkt die Schweinebranche in Sachen Digitalisierung hinterher?“ und „Wie stelle ich meine Tiergesundheit trotz knapper Arbeitszeitkapazität sicher?“ zeigte van Dijk praxisnahe und zukunftsorientierte Lösungsansätze auf.

Seine Antwort war klar: Technische und smarte Lösungen sind längst vorhanden – wir müssen nur anfangen, sie zu nutzen. Dabei sei es jedoch wichtig, nicht von 0 auf 100 zu starten, sondern Schritt für Schritt vorzugehen. „Die aktuelle Situation in der Branche lässt dies noch nicht flächendeckend zu“, so van Dijk. Die größte Herausforderung sei derzeit die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von Daten sowie das Fehlen einheitlicher Schnittstellen in der Schweinebranche.

Sophia Krone griff diesen Punkt in ihrer Anmoderation auf und betonte, dass die Branche noch auf eine Einigung zur Nutzung eines gemeinsamen Schnittstellensystems warte – vergleichbar mit dem ISOBUS-System in der Landtechnik.

Van Dijk zeichnete ein eindrucksvolles Bild der Zukunft: Durch den Einsatz von Kamera-, Ton- und weiterer Erfassungssensorik in Kombination mit künstlicher Intelligenz werde es möglich sein, Tiergesundheit, Verhalten und Stallklima automatisiert zu überwachen und zu analysieren. Ein zweiter, ebenso wichtiger Aspekt sei das Benchmarking: „Damit sehe ich nicht nur, wo ich mit meinem Betrieb stehe, sondern in welchen Bereichen ich noch Potenziale habe, besser zu werden.“

Der 1. Und 2. RVV-Schweinefachtag zeigte eindrucksvoll, wie wichtig der fachliche Austausch, die politische Mitgestaltung und die konsequente Umsetzung von Tierwohlstandards sind. Die Veranstaltung bot nicht nur wertvolle Informationen, sondern auch Raum für Vernetzung und Diskussion – ein starkes Signal für eine zukunftsfähige Schweinehaltung. Die RVV plant bereits die nächste Ausgabe des Fachtags – ein deutliches Zeichen dafür, wie wichtig der Dialog in der Branche ist, um den Wandel aktiv zu gestalten.

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